Foodwatch sucht die “Werbelüge”*

Es gibt wieder einen Preis zu gewinnen: den “Goldenen Windbeutel”. Vergeben wird er von der Organisation Foodwatch, gewählt von Konsumenten – auf der Website www.abgespeist.de.

Zur Wahl stehen diesmal
Beo Heimat Apfel-Birne von Carlsberg
Bertolli Gegrilltes Gemüse von Unilever
Der Gelbe – Zitrone-Physalis von Pfanner
Duett Champignon-Creme Suppe von Escoffier
Monte Drink von Zott

Schaut man sich jetzt mal an, was an den Produkten bemängelt wird, und wieso sie den Preis für eine Werbelüge erhalten sollen, kann man mit gesundem Menschenverstand nur mit den Ohren schlackern.

Wie immer gehts darum, dass die “Etiketten lügen wie gedruckt”. Dazu jetzt mal meine Meinung:

Wer in aller Welt glaubt denn, dass – nur weil auf einer Verpackung eine tropische Frucht abgebildet ist – immer alles in natürlichster Form vorhanden ist? Wenn man sich mal vor Augen hält, was ein durchschnittlicher Joghurt im Supermarkt kostet, kann man nicht davon ausgehen, das da echte Vanille drin ist. Immer wird rumgenörgelt, das hier alles so teuer ist. Keiner hat Geld, keiner will das was er hat ausgeben. Aber dann Joghurt für ein paar Cent verlangen, in dem auch noch echte Vanille drin ist. Da muss man sich fragen: Geht’s eigentlich noch? Wären Sie denn bereit, für ein solches Produkt über einen Euro zu zahlen? Wohl kaum.

Beo jetzt vorzuwerfen, sie sind nicht so Bio wie sie sagen, ist doch wohl nur ein schlechter Scherz. Wenn man nicht in der Lage ist, Bio und Beo auseinanderzuhalten, wird’s sowieso schwer. Nun kann man als Argument anführen: Ja aber klingt ja wie Bio. Stimmt, das tut es. Aber es steht nicht auf der Flasche, dass es Bio ist. Wer schlauer ist als ein nasser Keks, hat es auch hier einfacher.

Allgemein bin ich ja immer wieder erstaunt darüber, mit welchen Aktionen sich die “Ewig-Gestrigen” in die Medienlandschaft schieben. Die Wahl zum uncoolsten Lebensmittel. Da hat wahrscheinlich der Henrik mit der Brigitte und dem Karl-Johann im ökologisch korrekt hergestelten Baumhaus gesessen und “föstgestöllt, dass da ja aber gar köin Bio in der Limonade von Beo ist”. Wie dem auch sei – das ist für mich der Beweis von Jammern auf hohem Niveau.

Es liegt immer noch in der Hand eines jeden Einzelnen, was er kauft (außer bei Kindern, deren Eltern das übernehmen). Mittlerweile müssen sich die Hersteller ja über jeden Inhaltsstoff ausführlich auf der Verpackung auslassen. Wer das liest, kann nur gewinnen. Dann gibts halt für das Kind keinen Monte Drink, sondern eine Fruchtmilch. Dann muss ich mir die zwei Liter Tee halt selbst aufbrühen. Oder Naturjoghurt selbst mit Vanille versetzen.

Vielleicht liegt das Problem aber auch wo ganz anders: in der Bequemlichkeit der Menschen. Man schaltet den Fernseher an, setzt das Kind mit einem Glas Nutella in der Hand davor und hat seine Ruhe. Man regt sich auf, dass immer nur “kinderbeeinflussende Werbung” läuft, dass alles immer künstlicher wird und widmet sich danach wieder seinem Alltag: Fernsehen, am PC hängen, Multioptionalität leben und möglichst viel Selbstverwirklichung erreichen.
Wer schon mal mit einem Kind in der Natur war, der weiß, dass Laub mehr Spaß bereitet als Plastik-Action-Figuren. Wer sich Zeit nimmt, um Maus und Tastatur gegen Papier und Stifte zu tauschen weiß, dass ein Kind auch mit 4 Jahren schon schreiben kann. Und wer selbst ein gutes Vorbild ist, der weiß, dass Fernsehen Kinder nicht interessiert, ganz normale Milch und Wasser schmecken und Verpackungen nicht alles sind, wonach man sich richten darf.

*Ein Beitrag, der eine ganz persönliche Meinung wiedergibt: meine.
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